Obdachlosigkeit ist eine Herausforderung, die viele Städte kennen. Eine ganz besondere Herausforderung obendrein, wenn der Winter vor der Tür steht. In Berlin wird die Zahl der Menschen ohne feste Bleibe auf 11.000 geschätzt. 2.300 von ihnen nutzen nach einer Zählung im vergangenen Winter die Schlafplätze der evangelischen Berliner Stadtmission. Etwas mehr als hundert dieser Schlafplätze befinden sich in einer Traglufthalle am Innsbrucker Platz. Diese Einrichtung wollte sich der Bezirksverordnete Patrick Liesener zusammen mit der Jungen Union einmal genauer anschauen und tatkräftig unterstützen.

Es ist ein Freitagabend gegen 19 Uhr, als er vor der Halle eintrifft. Circa 30 Personen stehen schon in einer Schlange und holen sich Wartenummern für den späteren Einlass. Erst um 21 Uhr werden sich die Türen für die "Gäste", wie sie liebevoll genannt werden, öffnen. Bis dahin ist noch viel zu tun. Liesener und die Junge Union beziehen Betten, reinigen Tische, bereiten Speisen vor und sortieren Kleiderspenden. Kurz bevor der Einlass beginnt gibt es eine kurze Einsatzbesprechung, der Schichtwechsel wird erst mitten in der Nacht erfolgen. Es wird noch ein kurzes Gebet gesprochen, dann geht es los. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stadtmission lassen immer fünf Gäste durch die Schleuse. Jeder wird abgetastet. Einige sind Stammgäste und Begrüßen die Helfer freundschaftlich. Anschließend tragen sie sich in einer Anwesenheitsliste ein. Drogen, Alkohol und Waffen sind verboten, lediglich das Rauchen ist in einem gesonderten Bereich gestattet. Was sich in mitgebrachten Taschen befindet ist egal, sie werden abgegeben.
Nach dem Einlass geht es zum Essen, heute gibt es zwei Suppen, Salat, Schmalzstullen, Mirabellen und Kuchen. Was es an einem Abend zu essen gibt ist Glückssache. Das gesamte Essensangebot besteht aus Spenden von Supermärkten. Die Junge Union hilft an allen Stellen, Gepäckannahme, Essensausgabe und später bei der Schlafwache. Durch die vielen ehrenamtlichen Helfer geht der Einlass an diesem Abend zügiger voran als sonst. Gegen 22 Uhr wird der erste der beiden Schlafbereiche geöffnet. Geschlafen wird auf Feldbetten mit Decken. Auf Kissen wird verzichtet, man soll sich als Gast nicht zu wohl fühlen, schließlich müssen nach dem Frühstück alle die Halle verlassen. In den Schlafbereichen gibt es außerdem Zahnbürsten und Seife. Am Morgen kann geduscht werden.

Ich bewundere die Helfer, die dreimal die Woche vor Ort sind.

Gegen Mitternacht machen sich die letzten von uns auf den Heimweg. Es war ein lehrreicher Abend in einer tollen Einrichtung. Schade das es sie in unserem Bezirk geben muss, aber es hat Spaß gemacht zu helfen!

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