Die Jugendverkehrsschulen sind keine Einrichtungen der Polizei, sondern werden von den jeweiligen Berliner Bezirksämtern betrieben.

Jugendverkehrsschulen, früher auch “Verkehrskindergärten” genannt, sind Übungsflächen, die im Miniaturformat den realen Verkehrsflächen nachgebildet sind. Dort können Kinder im Alter von ca. 5 bis 14 Jahren unter Anleitung ungestört verkehrssicheres Verhalten im Straßenverkehr als Fußgänger und Radfahrer trainieren. Früher gab es einmal vier Jugendverkehrsschulen in Tempelhof-Schöneberg, heute sind es noch zwei.

Jahrelang stand der neben den Standorten Sachsendamm und Friedenstraße die Anlage an der Grundschule am Dielingsgrund zur Verfügung, aber seit der Einführung des Ganztagsbetriebs an der Schule und den immer größeren Teilnahmezahlen wurde das Außengelände immer stärker genutzt, der Betrieb der Jugendverkehrsschule war nicht mehr möglich. Es blieben zur Nutzung nur noch die Standorte auf dem Schulhof der Rudolf-Hildebrand-Grundschule und am Sachsendamm übrig.

Die CDU hält die Mobilitäts- und Verkehrserziehung von Kindern für sehr wichtig, denn die Zahl der jährlich verunglückten Kinder in Berlin pendelt seit Jahren um die 900. Haben sie einen Unfall mit dem Rad, sind sie zu 60 Prozent daran schuld. Deshalb ist die Radfahrprüfung, die in der 4. Klasse abgehalten wird auch so wichtig, allerdings fallen immer mehr Prüflinge durch, da es vorher kaum oder keine Möglichkeiten zum üben gibt.

Es ist wichtig, dass wir Kindern beibringen wie man sicher durch den Verkehr kommt, aber damit das funktioniert, müssen auch ausreichend Angebote verfügbar sein. - Patrick Liesener

Weitere Gründe für die Wichtigkeit von Jugendverkehrsschulen liefert eine Studie der Verkehrswacht aus dem Jahr 2008. Auf der Homepage der Verkehrswacht heißt es:

"Einerseits ist die Radfahrausbildung ein wichtiger Teil der Mobilitäts- und Verkehrserziehung, anderseits werden durch sie auch psychomotorische Mängel schonungslos aufgedeckt. So beherrschen immer mehr Kinder wichtige Alltagssituationen des Radfahrens nicht, beispielsweise das Spurhalten beim Blick zur Seite oder nach hinten. Während bei einer Umfrage 1997 nur knapp die Hälfte der Ausbilder (46 %) angaben, die Körperbeherrschung und Radfahrfertigkeit habe abgenommen, waren es 2008 schon fast drei Viertel (72 %). Gleichzeitig hatten 1997 nur 3 % der Ausbilder angegeben, die Zahl der Kinder mit Mobilitätsdefiziten habe erheblich zugenommen. 2008 waren es immerhin schon 22 %.

Diese Defizite werden vor allem in Großstädten sichtbar. 1997 gab es kaum Unterschiede zwischen Stadt und Land. In der aktuellen Studie waren die Radfahrausbilder in den Städten und Großstädten deutlich öfter der Meinung (83 bzw. 79 %), dass die motorischen Schwächen zugenommen haben, als diejenigen im ländlichen Bereich und in Kleinstädten (70 bzw. 68 %).

Ein großes Problem: Trotz der Zunahme der motorischen Defizite können diese während der Radfahrausbildung immer seltener ausgeglichen oder gar behoben werden. So konnten 2008 nur noch halb so viele Einzelförderungen und Nachkurse durchgeführt werden als 1997."

Aufgrund deutlich steigender Schülerzahlen und der Wichtigkeit der Verkehrs- und Mobilitätserziehung, ist in den südlichen Ortsteilen die Einrichtung einer Jugendverkehrsschule dringend geboten. Die CDU Fraktion hat deshalb das Bezirksamt aufgefordert zu prüfen, ob im Süden des Bezirkes wieder eine Jugendverkehrsschule (JVS) eingerichtet werden kann. Hierbei sind vorrangig bezirkseigene Flächen wie bspw. das Grundstück Marienfelder Allee 222-244 zu prüfen, welches über die notwendige Freifläche von rd. 4.000m² für eine entsprechende Nutzung verfügt. Außerdem sollen auf diesem Gelände weitere Sportaußenflächen entstehen, von denen es im Bezirk ebenfalls zu wenige gibt. Die Anlagen könnten vom TSV Marienfelde betrieben werden, dieser hatte bereits seine Bereitschaft angedeutet.

Man darf gespannt sein, ob der Antrag Erfolg hat, denn die Grünen wollen auf dem selben Gelände Angebote bzw. Unterkünfte für Obdachlose unterbringen.

Link: Antrag der CDU zur Jugendverkehrsschule
Link: Studie der Verkehrswacht
Link: Berliner Woche zu Plänen der Grünen
Link: Übersicht Neubau Gustav-Heinemann-Oberschule

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