Ich war nicht immer für die Gleichstellung der lesbischen und schwulen Lebenspartnerschaft mit der Ehe, aber seit ich mich intensiver mit dem Thema befasst habe, gibt es für mich nur eine Antwort. Auch Homosexuelle sollen heiraten dürfen!

Warum ich mich jetzt zu diesem bundespolitischen Thema äußere? Weil die Bezirksverordnetenversammlung zu diesem Thema in Ihrer nächsten Sitzung eine Willensbekundung beraten wird.

Standpunkt:

Bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft geben sich zwei Menschen das Versprechen, ein Leben lang füreinander einzustehen. Sie tun dies aus Liebe zueinander. Einen Unterschied zu meiner eigenen Hochzeit kann ich nicht feststellen. Ich habe meiner Frau geschworen ihr die Treue zu halten, für sie da zu sein, in guten und schlechten Zeiten. Ich habe das aus Liebe zu ihr getan. Nichts anderes wollen auch homosexuelle Paare und wenn sie genauso füreinander einstehen, dann ist es folgerichtig, dass sie die gleichen Rechte bekommen.

Gegner der Gleichstellung werden mir jetzt entgegnen, dass Homosexuelle können keine Kinder bekommen und die Ehe muss als Keimzelle der Familie besonders geschützt werden.

Ich würde es großartig finden, wenn die Ehe noch eine solche Keimzelle wäre, aber diese Zeit ist lange vorbei. In Deutschland gibt es 9,7 Millionen Ehepaare ohne Kinder! (Quelle: Statistisches Bundesamt / Stand 2013) Demgegenüber stehen lediglich 8 Millionen Ehepaare mit Kindern. Eine Keimzelle für Familien stelle ich mir anders vor.

Das zweite Gegenargument, welches an dieser Stelle häufig vorgetragen wird, ist das volle Adoptionsrecht für Homosexuelle. Das volle Adoptionsrecht müsse Ihnen nach der Gleichstellung mit der Ehe zugestanden werden. Viele haben damit ein Problem.

Hier stelle ich fest, dass homosexuelle Eltern alles für ein Kind tun können, was heterosexuelle Eltern auch können. Nur eines können Sie nicht bieten, nämlich eine sowohl männliche und weibliche Eltern-Bezugsperson. Soll heißen, dass die Forschung gezeigt hat, dass es für die Entwicklung von Kindern förderlich ist, eine männliche und weibliche Bezugsperson zu haben. Das ist auch der Grund warum verstärkt Erzieher oder Grundschullehrer gesucht werden.

Deshalb sollte der Punkt Verschiedengeschlechtlichkeit in Adoptionsverfahren eine Rolle spielen, aber eben nur als einer von mehreren Bewertungskriterien. Ist also ein heterosexuelles Paar und ein homosexuelles Paar gleichermaßen für die Adoption geeignet, dann entscheidet die Verschiedengeschlechtlichkeit zugunsten des heterosexuellen Paares. Sollte das heterosexuelle Paar allerdings in anderen Punkten weniger geeignet sein, so würde die Verschiedengeschlechtlichkeit dies nicht automatisch überwiegen. Homosexuelle Paare können dann im Vorteil sein.

Sollte der Gesetzgeber die Adoptionsverfahren so ausgestalten und die Ehe öffnen, dann wünsche ich mir viele Hochzeiten in unserem wunderschönen Standesamt in Schöneberg.

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